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Dienstag, 03. März 09 um 00:00 |

Stadtarchiv in Köln eingestürtzt

Einsturz Stadtarchiv Köln

Am Dienstag den 03.03.09 erhielten wir um 14.30 Uhr den Voralarm zum Trümmereinsatz in der Kölner Innenstadt. Um 15 Uhr wurden wir dann alarmiert. Schnell war ge­klärt, welche Hundeteams zur Verfügung standen und freundlicherweise von ihren Arbeitgebern sofort freigestellt wurden. Wir möchten diesen an dieser Stelle noch einmal herzlich dafür danken!

Während der Anfahrt erfuhren wir die ersten Details. Das historische Stadtarchiv in Köln war eingestürzt und es wurde eine große Anzahl von Personen unter den Trümmern ver­mutet. Nach unserem Eintreffen rückten wir sofort mit den Hunden zur Schadensstelle vor.

Wir fanden dort eine Vertrümmerung vor, die sich wesentlich größer und schwieriger darstellte, als wir erwartet hatten. Das Gebäude war in einen großen Erdkrater gestürzt und hatte Teile der an­grenzenden Gebäude mitgerissen. Es bestand weiterhin Einsturzgefahr für die umliegenden Gebäude sowie die Gefahr von weiteren Bodenerosionen. Zügig wurde mit der Suche begonnen.

Diese wurde zusätzlich durch Explosionsgefahr erschwert, da es mehrere Stunden dauerte, bis Gas und Strom abgestellt werden konnten. Somit wurden zunächst nur die Randbereiche des Trümmerkegels abgesucht. Schnell kristallisierten sich zwei Bereiche heraus, in denen Verschüttete vermutet wurden, da hier verschiedene Hunde unabhängig voneinander durch Verbellen anzeigten.

Aufgrund der großen Vertrümmerung und instabilen Lage der Trümmer konnten, wegen der Eigensicherung der Helfer, erst einmal keine Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden. Selbst die bereits betretenen Suchgebiete wurden gesperrt, da sich stetig weitere Risse in der Straße und in den Gebäuden bildeten.

Wir blieben weiter vor Ort in Bereitschaft. Nach einigen Stunden wurden bei einer erneuten Suche die Anzeigen durch weitere Hunde bestätigt. In der Zwischenzeit konnte durch die Polizei die Zahl der Vermissten eingeschränkt werden. Die Trümmerlage musste zuerst durch Verfüllen der Hohlräume mit Beton gesichert werden, daher wurden wir zunächst aus dem Einsatz entlassen und blieben in Rufbereitschaft.

Die Rufbereitschaft wurde in mehrere Schichten auf die einzelnen Rettungshundestaffeln aus Nordrhein aufgeteilt, um ständig Rettungshunde verfügbar zu haben und die Einsatzteams nicht zu überlasten. An den darauffolgenden Tagen wurden weitere Sicherungs- und Abrissmaßnahmen durchgeführt.

Am Freitag, dem 06.03. meldete sich unsere Staffel nach Alarmierung durch die Leitstelle um 20.00 Uhr wieder an der Einsatzstelle für weitere Suchaufgaben an. Inzwischen war der Kreis der vermissten Personen auf zwei junge Männer eingeschränkt worden.

Jetzt konnten die Hunde und Helfer in den inzwischen besser gesicherten Bereichen wieder zur Suche eingesetzt werden. Diesmal verhielten sich die Hunde wieder auf­fällig, kamen jedoch zunächst nicht zur Anzeige. Daraufhin wurde eine Schicht Trümmer mit schwerem Gerät abgetragen.

Beim nächsten Suchdurchgang kam eine Plattform zum Einsatz, die von einem Bagger über die Trümmer geschwenkt wurde. Hundeführer und Hund wurden auf diese Plattform verbracht. Während die Hunde auf den Trümmern zur Suche abgesetzt wurden, verblieben die Hundeführer aus Sicherheitsgründen auf der Plattform und dirigierten ihre Hunde von dort aus.

Abschließend versuchen wir unsere Eindrücke vor Ort so gut wie möglich zu beschreiben:

Wir trainieren mit unseren Hunden die Trümmerarbeit regelmäßig und kennen deshalb den Anblick von „teilzerstörten“ Gebäuden. Trotzdem waren wir erschrocken über das Bild, das sich uns in Köln bot! Nicht nur, dass wir es jetzt mit „richtigen“ Ver­schütteten zu tun hatten, die ganze Lage war extrem unsicher und auch gefährlich.

Wir standen am Rand eines Kraters, wo vorher das Archiv gestanden hatte. An den Seiten war der Krater teilweise offen und der Boden nicht zu sehen. An den umstehenden Häusern hingen große Teile der Dächer und Etagen über die Trümmer - wie sollten wir unsere Hunde einsetzen?

Ein falscher Tritt und sie würden über schräge Betonflächen in die Tiefe rutschen, ohne noch einmal Halt zu finden. Wenn sie sich zu weit von dem Loch entfernten, befanden sie sich sofort im Trümmerschatten der einsturzgefährdeten Häuser.

Fazit:

Der größte Teil des Trümmerkegels war für uns wegen zu großer Eigengefährdung und Gefährdung der Hunde nicht absuchbar. Auf den Teilen, die wir absuchen konnten, gerieten wir teilweise in riskante Situationen. Über einer Hundeführerin, die einen teilweise zerstörten Gebäudeteil durchsuchte, knirschte die Decke so laut, dass unser Fachberater einen Rückzug für Hundeführer und Hund aussprach.

Einige Hundeführer waren sehr besorgt, als sie sahen, in was für Spalten ihre Hunde zum Teil krochen. Der ganze Einsatz war eine gefühlsmäßige Mischung aus ungläubigem Staunen über das Ausmaß der Zerstörung, Interesse und Lerneifer bei der Arbeit sowie Hoffnung auf das Finden der vermissten Personen.

Außerdem konzentrierten wir uns darauf, den Hund und uns selbst so gefahrlos wie möglich zu dirigieren und Stress und Angst um den Hund, die an manchen Stellen aufkam, im Zaum zu halten. Irgendwie fühlte man sich trotzdem geehrt und freute sich, an diesem Einsatz teilnehmen und helfen zu können. Die Anforderungen bei einem solchen Einsatz sind auch eine Bestätigung für die langjährige und schwierige Ausbildung.

Und dann bellt doch tatsächlich der Hund - ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann. In diesen Augenblicken vergisst man alles um sich herum. Es dauert allerdings nur ein paar Sekunden, dann ist man wieder voll bei der Sache und sieht zu, so schnell wie möglich sich und den Hund wieder aus der Gefahrenzone heraus zu bringen.

Am Rand der Trümmer stehen in der Regel Helfer und der DRK-Fachberater für Trümmereinsätze, die den Hundeführer auf wichtige Dinge und Gefahren hinweisen, z. B. auf die Sirenen, die ertönen, sobald ein Gebäude in Bewegung gerät und somit der Gefahrenbereich sofort geräumt werden muss. Nach dem Einsatz fährt man dann nach Hause, um am nächsten oder übernächsten Tag wieder zu kommen.

Inzwischen wurden Schicht für Schicht Trümmer abgetragen und die Suche beginnt jeweils erneut. So geht es den ganzen Tag und die ganze Nacht durch, bis die Personen gefunden werden. Ab und zu hat man Zeit, sich auf einem Feldbett auszuruhen oder einen Bericht für die Internetseite zu schreiben.

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen der anderen Rettungshundestaffeln, der Feuerwehr, der Polizei und dem THW läuft sehr gut und organisiert. Wir sind immer auf dem neuesten Stand und wissen rechtzeitig Bescheid, wann wir wieder mit dem Suchen an der Reihe sind. Anders wäre so ein riesiger Einsatz auch gar nicht möglich.

So, jetzt müssen wir wieder los:

Yvonne mit GOLIATH, Dirk mit NELE, Viola mit FINN, Johanna mit SUMMY, Juli mit JOGI, Ansgar mit JESSIE, Christiane, Nadine, Jens, Rudolf, Hildegard, Thorsten, Daniel, Wolfgang und der Technische Dienst des DRK Troisdorf.

Einsturz Stadtarchiv Köln
Einsturz Stadtarchiv Köln
Einsturz Stadtarchiv Köln
Einsturz Stadtarchiv Köln
Einsturz Stadtarchiv Köln
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